Kategorie: Zahlen, Daten, Fakten

Zahlungsmoral: Eine Frage des Alters

Die Zahlungsmoral der Deutschen ist überwiegend gut. Allerdings kann jeder Zehnte seine Schulden nicht zum vereinbarten Termin begleichen. Und: Säumig bleiben vor allem jüngere Kreditnehmer. Frau sitzt an einem Tisch mit Taschenrechner und Stift und hat viele Rechnungen vor sich liegen

 

Die Inkassounternehmen sind mit den meisten Schuldnern zufrieden. In einer aktuellen Trendumfrage des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU) geben 81 Prozent von ihnen an, dass die Verbraucher ebenso pünktlich oder sogar schneller ihre Rechnungen bezahlen als noch zu Jahresanfang. Doch wo Licht ist, da gibt es auch Schatten. Worauf er fällt, weiß Marion Kremer, BDIU-Vizepräsidentin: „Vor allem junge Verbraucher […] gehören tendenziell zu den schlechten Zahlern.“ Das belegt die Umfrage. Darin stellen 38 Prozent der Inkassounternehmen fest: 18- bis 24-Jährige haben eine schlechtere Zahlungsmoral als Ältere.

Junge Leute, viele Wünsche

Jungen Verbrauchern sitzt das Geld (das sie nicht haben) besonders locker. Das ist in gewisser Weise auch verständlich, denn sie haben schließlich noch viele unerfüllte Wünsche. Das neueste Smartphone, schicke Schuhe und Klamotten angesagter Labels, ein schnelles Auto – viele sind dafür bereit, einen Kredit aufzunehmen. Da sie aber in der Regel noch nicht allzu viel verdienen, kommen manche von ihnen mit den Raten schlecht hinterher. Die Folge kann eine Überschuldung sein.

Wenig Geld, viel Konsum

Verglichen mit der Zahlungsmoral von über 25-Jährigen ist jene junger Erwachsener (18 bis 24 Jahre) zu 38 Prozent schlechter, zu 52 Prozent eher gleich und lediglich zu 10 Prozent eher besser. So berichten es die Umfrageteilnehmer, die gleichzeitig auch die zehn häufigsten Gründe der Verschuldung der jungen Altersgruppe nennen:

  1. Zu hohe Konsumausgaben: 81 Prozent
  2. Zu wenig Eigenverantwortung: 68 Prozent
  3. Schlechtes Vorbild des Elternhauses: 67 Prozent
  4. Zu wenig Kenntnisse über vertragliche Verpflichtungen: 64 Prozent
  5. Unzureichende Thematisierung in der Schule: 63 Prozent
  6. Zu wenig Kenntnisse über wirtschaftliche Zusammenhänge: 52 Prozent
  7. Zu früh Dispokredit eingeräumt: 41 Prozent
  8. Arbeitslosigkeit/keine Lehrstelle: 27 Prozent
  9. Löhne/Gehälter zu gering: 17 Prozent
  10. Schlechte Zukunftsperspektiven: 14 Prozent

„Viele Jüngere sind bereit, sich für die Erfüllung kurzfristiger Konsumwünsche zu verschulden. Sei es, weil die Augen größer sind als der Geldbeutel oder weil man im Freundes- oder Bekanntenkreis vermeintlich ‚mithalten‘ will“, ergänzt Kremer.

Trend zur Überschuldung

Rechnungen nicht zu bezahlen, ist übrigens nicht nur ein persönliches, sondern auch ein gesamtgesellschaftliches Problem. Denn obwohl die Konjunktur in Deutschland weiter brummt, nehmen die Fälle von Überschuldung zu. Nachzulesen ist das zum Beispiel im Creditreform-„Schuldneratlas“. Demnach haben immer mehr Bundesbürger nachhaltige Zahlungsstörungen. 2017 sind davon 6,9 Millionen Menschen – also gut jeder zehnte Erwachsene – betroffen. Im Vorjahr waren es noch 0,9 Prozent weniger.

Und auch 76 Prozent der BDIU-Mitglieder machen die Überschuldung für unzuverlässig begleichende Kreditnehmer verantwortlich. Oft, so Kremer, stecke mangelnde Kenntnis dahinter: „Mündige Verbraucher benötigen ein umfassendes finanzielles Basiswissen, um verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen und sich vor Überschuldung zu schützen.“ Entsprechende Grundlagen sollten ihnen Schulen und berufliche Ausbildungseinrichtungen vermitteln.

Die Altersgruppen und ihre Gläubiger

Es sind nicht die Banken, die mit derzeit günstigen Kreditzinsen junge Verbraucher zum Schulden machen verleiten. Schließlich werden Kredite erst nach sorgfältiger Überprüfung der finanziellen Verhältnisse des Antragstellers gewährt, um eine finanzielle Überlastung zu vermeiden. Besonders oft sind Online-Händler Gläubiger von jungen Erwachsenen, wie 81 Prozent der Inkassounternehmen in der BDIU-Umfrage angeben. Es folgen Telekommunikationsunternehmen (76 Prozent) und Fitnessstudios (67 Prozent).

25- bis 59-Jährige stehen häufig bei Banken und Kreditinstituten (83 Prozent), Energieversorgern (59 Prozent) und Telekommunikationsunternehmen in der Kreide. Ähnlich stellt es sich in der Gruppe der Senioren ab 60 Jahren dar. Von ihnen sind gut drei Viertel (74 Prozent) ebenfalls bei Banken und Kreditinstituten (74 Prozent) verschuldet. An zweiter Stelle stehen mit 67 Prozent allerdings Kredite für Gesundheitsaufwendungen, die in dieser Altersgruppe oft zwingend erforderlich sind. Die Energieversorger folgen erst auf Platz drei (59 Prozent).

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