Kategorie: Zahlen, Daten, Fakten

Wohlstand und Zukunftsangst steigen

Wohlstand mit Sorgen: Den Deutschen geht es immer besser, aber sie fühlen sich immer schlechter. Obwohl sie genug Geld haben, treibt die meisten von ihnen Zukunftsangst um. Unternehmer zählt Münzen und schaut skeptisch

 

Diesen Widerspruch zwischen Wohlstand und Zukunftsangst belegt eine Studie.

Wohlstand ist den Deutschen besonders wichtig

Die Menschen in der Bundesrepublik mögen Geld. Und sie haben gern viel davon. Am liebsten so viel, dass sie keine finanziellen Sorgen haben müssen. Das ist für 78 Prozent von ihnen am wichtigsten. Und immerhin fast jeder Zweite (49 Prozent) behauptet von sich, tatsächlich einen „hohen“ Wohlstand zu haben. Vor fünf Jahren sagten das nur 42 Prozent. So weist es der „Nationale Wohlstandsindex für Deutschland“ (NAWI-D) aus. Die Studie entsteht seit 2012 jährlich in Zusammenarbeit der Marktforscher von Ipsos und dem Opaschowski-Institut für Zukunftsforschung. Mittlerweile haben sie dazu 40.000 Menschen befragt. Die beiden Institute sehen ihre Arbeit als Gegenentwurf zum Bruttoinlandsprodukt, das ebenfalls als Gradmesser in dieser Frage herangezogen wird.

Die Zukunftsangst greift weiter um sich

„Jedem zweiten Deutschen geht es rundum gut“, zitiert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) die Autoren der Studie. Doch gut fühlen sich die Bundesbürger trotzdem nicht. Besonders, wenn sie an kommende Zeiten denken. Nur 42 Prozent unterschreiben den Satz „Ich habe keine Angst vor der Zukunft“. Im Umkehrschluss bedeutet das: 58 Prozent wird beim Blick in die Glaskugel mulmig. Das sah 2014 noch anders aus. Damals hielten sich Bedenkenträger und Optimisten die Waage. Warum hat die viel zitierte „German Angst“ trotz finanzieller Zufriedenheit so stark zugenommen? Sorgen ums Geld scheiden angesichts des Wohlstands aus. Hans-Peter Drews, Director von Ipsos Observer, sagt dazu: „Es sind somit keine ökonomischen Gründe, die die Zukunftsängste der Deutschen verursachen, sondern wahrscheinlich fürchten sie, dass Errungenschaften wie friedliches Zusammenleben, breite Bildungsmöglichkeiten, Meinungsfreiheit und Toleranz durch Terror und Populismus in Deutschland und der Welt gefährdet sind.“

Die Rentner sind zufrieden

Klar ist hingegen, dass den Bundesbürgern – abgesehen von einem gewissen Wohlstand – besonders der Besitz von Eigentum (71 Prozent) sowie ein sicheres Einkommen beziehungsweise eine sichere Versorgung im Alter (70 Prozent) am Herzen liegen. So gesehen sind zum Beispiel die Rentner recht zufrieden. Der Generation 65+ geht es so gut wie den meisten Deutschen. Sie besitzen zu 51 Prozent einen hohen Wohlstand. Bei den 14- bis 24-Jährigen besteht hier mit 41 Prozent noch Nachholbedarf.

Hauptsache Geld

Finanzielle Sorgen sind in Deutschland also nicht weit verbreitet. Am wenigsten in Hamburg. Dort halten sich 65 Prozent der Einwohner für wohlhabend. Überraschung: Ausgerechnet im sonst so finanzkräftigen Baden-Württemberg tun das mit 43,6 Prozent deutlich weniger. Da fühlen sich sogar die Bürger im eher schwächeren Osten noch solventer. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt verfügen nach eigenen Angaben 44,5 Prozent über einen hohen Wohlstand.

Nebensache Umwelt

Die Ergebnisse legen die Vermutung nahe, dass es den Deutschen in erster Linie um das eigene Geld und Auskommen geht. Dieser Eindruck trügt nicht, wie die Zahlen im NAWI-D belegen. Demnach ist es bloß für 40 Prozent der Befragten wichtig, in Frieden mit den Mitmenschen zu leben. Nur gut ein Drittel (36 Prozent) legt Wert darauf, seine Meinung frei äußern zu können. Eine noch geringere Rolle spielen ökologische Aspekte. In einer Welt zu leben, die gut mit der Natur umgeht, ist nicht mal für ein Viertel (23 Prozent) von Belang. Ist es wichtig, mit der Natur zu leben? Das bejaht lediglich ein Fünftel (21 Prozent). Und für 19 Prozent ist es entscheidend, erneuerbare Energie zu nutzen.

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