Kategorie: Zahlen, Daten, Fakten

Wofür und wie die Deutschen Kredite nutzen

Auch wenn manch einer immer noch Hemmungen hat, offen über das Thema Kredit zu sprechen: Viele Deutsche nutzen Finanzierungen. Und immer häufiger findet die Kreditaufnahme online statt. Ein mann sitzt am Schreibtisch und kalkuliert etwas

 

Die Kreditaufnahme wird mobil: Immer öfter finanzieren die Bundesbürger ihre Konsumwünsche über Online-Kredite und sind auch sonst dem mobilen Banking sehr zugetan. Die GfK Finanzmarktforschung hat in ihrer Finanzmarktstudie 2017 gut 1.800 Menschen gefragt, wie und wofür sie Kredite aufnehmen.

Was kauft man in Deutschland auf Kredit?

Der mit Abstand häufigste Grund für eine Kreditaufnahme ist der Deutschen liebstes Spielzeug: Das Auto. Beinahe ein Drittel der Befragten nutzen Ihren Kredit, um einen Gebrauchtwagen zu finanzieren. Weitere 26 Prozent leisten sich auf diesem Wege einen Neuwagen. Für andere Fahrzeuge hingegen – wie etwa Wohnmobile oder Motorräder – haben nur ein bis zwei Prozent der Studienteilnehmer einen Kredit aufgenommen. Dabei spielen Finanzierungsangebote der Autohäuser durchaus eine wichtige Rolle, sie machen immerhin ein Viertel aller Ratenkreditformen aus.

Viele Befragte nutzen einen Kredit auch, um einen älteren Ratenkredit zinsgünstig abzulösen (15 Prozent) oder den oftmals teuren Dispo auf dem Bankkonto auszugleichen (12 Prozent). Ansonsten stehen Dinge hoch im Kurs, die das tägliche Leben leichter und schöner machen: Möbel und Küchen (17 Prozent), PCs und Unterhaltungselektronik (14 Prozent), Haushaltsgroßgeräte (13 Prozent) sowie Renovierungsarbeiten und Umzüge (10 Prozent).

Finanzierungsmöglichkeiten beeinflussen Kaufentscheidungen

Von Einzel- und Versandhändlern angebotene Finanzierungen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Dabei zeigt sich, dass die Möglichkeit zur Ratenzahlung durchaus Kaufentscheidungen beeinflussen kann: 63 Prozent der Befragten gaben an, dass sie einen bestimmten Artikel nicht erstanden hätten, wenn ein Kauf auf Raten nicht möglich gewesen wäre. Lediglich 37 Prozent hätten sich auch ohne Finanzierungsangebot für den Kauf entschieden.

Auch den Händlern scheint klar zu sein, wie wichtig diese Option für Kunden ist. Denn 39 Prozent der Verbraucher gaben an, schon aktiv von Händlern Finanzierungsmöglichkeiten angesprochen worden zu sein; 67 Prozent haben von sich aus bei Anbietern nachgefragt, ob sie ein Produkt auf Kredit kaufen können. Und beachtliche 84 Prozent der Befragten haben sowohl Angebote erhalten als auch Eigeninitiative ergriffen.

Wo nehmen die Deutschen Kredite auf?

Fast die Hälfte aller Ratenkredite wird klassisch über Banken aufgenommen. Ein Fünftel wird direkt beim Kauf im Versand- oder Einzelhandel abgeschlossen. Bei einem Viertel der Ratenzahlungen handelt es sich, wie bereits erwähnt um Finanzierungen, die beim Kauf eines Fahrzeugs mit dem Händler vereinbart wurden.

2017 wurden 73 Prozent der Ratenkredite in einer Bankfiliale vor Ort abgeschlossen und 27 Prozent online. Mobile und online erreichbare Finanzservices erfreuen sich ohnehin seit Jahren steigender Beliebtheit: Während 2012 lediglich fünf Prozent aller Befragten Finanz-Apps nutzten, sind es dieses Jahr schon 26 Prozent; allerdings eher fürs Banking als für Kreditaufnahmen. Nichtsdestotrotz können sich 15 Prozent der Bundesbürger durchaus vorstellen, dafür in Zukunft ihr Smartphone zu benutzen.

Auch wenn es darum geht, vor einer Kreditaufnahme die wichtigsten Informationen zu sammeln, sind die Deutschen webaffin: Nur noch 47 Prozent informieren sich in der Bankfiliale, während 30 Prozent die Webseite der Bank nutzen, 20 Prozent Vergleichsportale im Internet aufsuchen und 10 Prozent weitere Onlinequellen heranziehen. Erfolgt die Finanzierung direkt beim Verkäufer, besuchen immerhin acht bis neun Prozent vorher die Website des Einzel- oder Autohändlers.

Bundesbürger sind glückliche Finanzkunden

Etwa die Hälfte der Bundesbürger, die aktuell eine Finanzierung nutzen, tilgt einen laufenden Kredit. Ein Viertel fährt in Sachen Finanzierung zweigleisig. Gut jeder Zehnte zahlt derzeit sogar drei Kredite zurück, einige Verbraucher sogar noch deutlich mehr. Im Durchschnitt kommen demnach auf jeden Kreditnehmer zwei Finanzierungen. Bei den meisten (44 Prozent) bewegt sich die noch offene Rückzahlungssumme bei unter 5.000 Euro. Etwa 20 Prozent haben noch Restschulden von bis zu 10.000 Euro. Im Gesamtdurchschnitt müssen die Kreditnehmer jeweils 9.800 Euro an ihre Kreditgeber zurückzahlen.

Dabei sind die Deutschen sehr glückliche Kreditnehmer: 76 Prozent sind mit ihrem Kredit äußerst zufrieden. Außerdem gehen sie gern auf Nummer sicher: 28 Prozent haben eine Restschuldversicherung abgeschlossen.

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