Kategorie: Zahlen, Daten, Fakten

Wo ist das Armutsrisiko am höchsten?

Trotz guter Wirtschaftslage ist die Armutsgefährdungsquote bundesweit angestiegen. Dabei ist das Armutsrisiko nicht überall gleich hoch und auch nicht überall gleich zu bewerten. Mann leert ein Sparschwein und schaut, ob noch etwas herauskommt

 

In welchen deutschen Bundesländern ist die Armutsgefährdungsquote am höchsten und welche Personengruppen sind davon am ehesten betroffen?

Wer gilt als arm?

Um das Armutsrisiko einschätzen zu können, muss zunächst geklärt werden, was eigentlich „arm“ bedeutet. Das Statistische Bundesamt definiert Armut folgendermaßen: Aus den Einkommensangaben, die im Mikrozensus erfasst wurden, wird ein Durchschnittswert gebildet, der sogenannte Median. Wer weniger als 60 Prozent dieses Mittelwertes zur Verfügung hat, befindet sich unterhalb der Armutsgrenze.

Nach der aktuellen Erhebung mit den Zahlen von 2016 liegt die Armutsgrenze hier:

  • Familien mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14: 2.035 Euro netto pro Monat
  • Alleinerziehende mit zwei Kindern unter 14: 1.550 Euro netto pro Monat
  • Singles: 969 Euro netto pro Monat

Die Armutsgefährdungsquote beschreibt, wie wahrscheinlich es ist, unter diese Grenze zu rutschen.

Wo ist das Armutsrisiko am höchsten?

Gemessen an der statistischen Armutsgefährdung sind die Menschen in Bremen am stärksten von Armut bedroht: Mit einer Quote von 22,6 Prozent droht hier mehr als jedem Fünften ein Leben unterhalb des Existenzminimums. Sachsen-Anhalt mit 21,4 und Mecklenburg-Vorpommern mit 20,4 Prozent liegen nur knapp darunter. Am niedrigsten liegt das statistische Armutsrisiko im reichen Süden: 11,9 Prozent in Baden-Württemberg und 12,1 Prozent in Bayern.

Im Bundesdurchschnitt beträgt die Armutsgefährdungsquote 16,7 Prozent, wobei es deutliche Unterschiede zwischen Ost und West gibt: In den alten Bundesländern (ohne Berlin) liegt der Schnitt bei 15,0 Prozent und ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozent gestiegen. In den neuen Teilen der Republik ist die Armutsgefahr um 1,3 Prozent gesunken, liegt aber immer noch bei 18,4 Prozent.

Welche Personengruppen sind am stärksten von Armut bedroht?

Menschen ohne Arbeit sind besonders häufig arm: 52,9 Prozent im Westen und 66,9 Prozent im Osten Deutschlands. Nach Bundesländern gegliedert wird die Spanne noch größer: Ohne Arbeit besteht in Baden-Württemberg ein 43,4-prozentiges Armutsrisiko, in Sachsen-Anhalt liegt es dagegen bei ganzen 75,6 Prozent.

Auch Alleinerziehende sind besonders armutsgefährdet: Im Westen zu 42,4 Prozent, im Osten zu 46,9 Prozent. Auch hier ist die Schere zwischen den Bundesländern teilweise beachtlich: In Berlin muss nur ein gutes Drittel Armut fürchten: 34,5 Prozent; in Sachsen-Anhalt deutlich mehr als die Hälfte: 60,0 Prozent. Ist das Einkommen der Eltern gering, sind auch die Kinder entsprechend schlechtgestellt: Bundesweit galten 2016 etwa 20,2 Prozent der Unter-18-Jährigen als arm.

Armutsgefährdungsquotient hat Schwachstellen

Der Armutsgefährdungsquotient ist ein gutes Instrument, um die gesamtgesellschaftliche Entwicklung zu verfolgen. Die einzelnen Angaben sollten jedoch nicht ganz unkritisch betrachtet werden, denn:

  • Die Werte ergeben sich aus einer Stichprobe, nicht aus einer Erfassung ganz Deutschlands.
  • Der Median wird bundesweit gebildet – die Gehaltsstrukturen unterscheiden sich aber regional stark.
  • Örtlich unterschiedlich hohe Lebenshaltungskosten werden nicht berücksichtigt.

So kann es passieren, dass jemand in einem ostdeutschen Dorf statistisch als arm gilt, praktisch aber ein sehr schönes Leben hat, weil die Kosten deutlich geringer sind als anderswo. Andererseits kann jemand im reichen Süden knapp oberhalb der Bemessungsgrenze liegen, aber große Probleme haben, weil Miete und Lebenshaltungskosten sehr viel höher liegen – die Armutsgefahr in Bundesländern mit hoher Beschäftigung wird daher schnell unterschätzt.

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