Kategorie: Zahlen, Daten, Fakten

Taschengeld: Gender Pay Gap schon im Kindesalter

Die Einkommensungerechtigkeit beginnt offenbar bereits beim Taschengeld – zumindest in Großbritannien. Kleiner Junge hält 5-Euro-Schein in die Kamera

 

Während im Bundestag aktuell die Diskussion über die Lohnungerechtigkeit zwischen Männern und Frauen erneut aufgeflammt ist, deckt eine britische Studie auf, dass der sogenannte „Gender Pay Gap“ nicht nur in der Arbeitswelt existiert.

Sprunghafter Anstieg des Taschengeld-Gender-Pay-Gaps auf zwölf Prozent

In der aktuellen  „Pocket Money Survey“ der Halifax Bank wurde deutlich, dass britische Jungen durchschnittlich zwölf Prozent mehr Taschengeld erhalten als Mädchen. Während 8- bis 15-Jährige Jungen im Schnitt 6,93 Pfund (umgerechnet rund 8,40 Euro) pro Woche zur Verfügung hatten, bekamen Mädchen in dieser Altersgruppe nur 6,16 Pfund  (knapp 7,50 Euro) Taschengeld. Dieser Gender Pay Gap war auch für die Verfasser der seit 1987 jährlich erscheinenden Untersuchung überraschend. Zwar hatte es auch schon zuvor leichte Abweichungen bei den Taschengeldern von Mädchen und Jungen gegeben, allerdings nicht in diesem Ausmaß. In der Vorjahresstudie erhielten die Jungen lediglich zwei Prozent mehr Taschengeld als die Mädchen.

Trotz höherem Taschengeld: Jungen sind unzufriedener

Erstaunlich ist, dass die Unzufriedenheit mit der eigenen finanziellen Ausstattung trotz des höheren Taschengelds bei den Jungen größer war als bei den Mädchen. Während bei den jungen Britinnen 39 Prozent der Meinung waren, sie sollten mehr Taschengeld bekommen, behaupteten dagegen 44 Prozent der Jungen, sie würden mehr Geld benötigen. Insgesamt jammert der britische Nachwuchs allerdings auf hohem Niveau: Das durchschnittlich gezahlte Taschengeld erreichte im Mai 2016 mit 6,55 Pfund (knapp 8,00 Euro) pro Woche den höchsten Wert seit neun Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr erhalten britische Kinder 0,35 Pfund mehr. Das entspricht einem Zuwachs von mehr als fünf Prozent – ein Plus, von dem viele Gewerkschaftsvertreter nicht einmal zu träumen wagen.

Taschengeldungerechtigkeit auch in Deutschland

Das Problem der Geschlechterungerechtigkeit beim Taschengeld existiert nicht nur in Großbritannien. In einer Studie der Landesbausparkassen wurde dieses Phänomen bereits im Jahr 2009 auch in Deutschland festgestellt. Damals erhielten Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren monatlich 16 Euro. Ihre männlichen Altersgenossen erhielten mit 19 Euro pro Monat beinahe 19 Prozent mehr Taschengeld.

Ungerechtigkeit schon in frühen Jahren verhindern

Die massive Ausweitung des britischen Gender Pay Gaps beim Taschengeld binnen eines Jahres alarmiert dennoch. Dies würde nichts Gutes für die Zukunft verheißen, sagt Hannah Maundrell, Chefredakteurin beim britischen Finanzvergleichsportal Money.co.uk. „Wenn wir jemals gleiche Gehälter für Männer und Frauen am Arbeitsplatz erreichen wollen, müssen wir das Selbstbewusstsein der Mädchen stärken, damit sie hart verhandeln können und keine Angst haben, ein höheres Gehalt zu fordern. Dies muss zuhause beginnen.“  Kindern den Wert des Geldes und die Bedeutung von Verhandlungen zu vermitteln, würde ihnen später den Weg zum Erfolg ebnen, so Maundrell.

Für die jährlich erscheinende „Pocket Money Survey“ befragte das Marktforschungsinstitut TNS im Auftrag der Halifax Bank im Mai 2016 1.202 Kinder zwischen acht und 15 Jahren. Daneben wurden 575 Eltern mit Kindern bis 15 Jahren befragt.

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