Kategorie: Zahlen, Daten, Fakten

Stromkosten bei älteren Menschen höher

Viele kennen ihre Eltern und Großeltern als besonders sparsame Menschen. Für den Stromverbrauch scheint das allerdings nicht zu gelten. Stecker zwischen vielen 50-Euro Scheinen - CreditPlus Kredit Magazin

 

Eine Datenauswertung des Vergleichsportals „Check24” zeigt, dass Ältere offenbar nicht mit Energie geizen. Die Stromkosten von Senioren sind im Vergleich zu anderen Altersgruppen besonders hoch. Unterschiede hinsichtlich der Ausgaben für Energie zeigen sich außerdem zwischen ost- und westdeutschen Bundesländern. Weniger überraschend: Setzt man Single- und Mehrpersonenhaushalte in Relation zueinander, ergeben sich Unterschiede beim Stromverbrauch.

Steigendes Alter, steigender Stromverbrauch

Über 70-jährige Kunden des Vergleichsportals, die alleine in einem Haushalt leben, verbrauchten im Zeitraum März 2015 bis Februar 2016 durchschnittlich 2.099 Kilowattstunden Strom. Kunden unter 20 Jahren dagegen durchschnittlich 1.778 Kilowattstunden. Der Stromverbrauch der Senioren war damit um 18 Prozent höher als der von jungen Kunden. Auch in den dazwischenliegenden Altersgruppen stieg der Stromverbrauch mit jedem Zehnjahresschritt an. So verbrauchten zum Beispiel 41- bis 50-Jährige mehr Strom als 31- bis 40-Jährige. Betrachtet wurden jeweils Einpersonenhaushalte.

Warum Senioren mehr Strom verbrauchen

Die häufig als besonders sparsam wahrgenommene Nachkriegsgeneration knausert also offenbar nicht beim Strom. Es gibt allerdings einleuchtende Erklärungen für den hohen Stromverbrauch der Senioren und die dadurch entstehenden höheren Stromkosten: Zum einen besitzen sie oft ältere Elektrogeräte, die aufgrund einer schlechteren Energieeffizienz mehr Energie verbrauchen als die neueren Geräte, die in den Haushalten Jüngerer stehen. Außerdem leben sie meist in größeren Wohnungen oder Häusern als jüngere Alleinstehende, weil sie nach dem Auszug der Kinder und dem Tod des Partners in der bisher bewohnten Immobilie geblieben sind. Zudem verbringen Senioren in der Regel mehr Zeit zu Hause als Menschen, die einem Beruf nachgehen oder sich in der Ausbildung befinden. Sie haben also ganz einfach mehr Zeit, um elektrische Geräte zu Hause laufen zu lassen.

Auch Singles haben einen höheren Stromverbrauch

Auffällig ist, dass nicht nur allein lebende Senioren, sondern Singles generell im Verhältnis zu Mehrpersonenhaushalten einen höheren Stromverbrauch haben: Im Durchschnitt verbrauchte ein Einpersonenhaushalt im untersuchten Zeitraum 1.904 Kilowattstunden Strom. Das entspricht nicht etwa einem Drittel des Stromverbrauchs eines Dreipersonenhaushalts von durchschnittlich 4.066 Kilowattstunden, sondern beinahe der Hälfte. Auch hier ist die Erklärung naheliegend: Der Grundbedarf eines Singles an Strom ist relativ hoch, da er zum Beispiel einen Kühlschrank betreiben muss, den sich in einem anderen Haushalt mehrere Personen teilen. Singles müssen also mit verhältnismäßig hohen Stromkosten rechnen.

Ostdeutsche Sparsamkeit angesichts höherer Stromkosten

Das Vergleichsportal konnte beim Stromverbrauch außerdem Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland feststellen. Der Bundesdurchschnitt für den Jahresverbrauch eines Vierpersonenhaushalts lag bei 4.702 Kilowattstunden. In Ostdeutschland verbrauchte dieser Haushaltstyp durchschnittlich 4.349 Kilowattstunden und damit acht Prozent weniger als in Westdeutschland. Das lässt sich mit den höheren Stromkosten im Osten Deutschlands erklären: 5.000 Kilowattstunden kosten dort im Durchschnitt 1.529 Euro und damit vier Prozent mehr als im Westen. Gleichzeitig ist die Kaufkraft im Osten um durchschnittlich 17 Prozent geringer, sodass die höheren Stromkosten dort ein größeres Loch in die Kassen der Verbraucher reißen als sie es im Westen tun würden. Daher sind Menschen in den ostdeutschen Bundesländern mehr oder weniger gezwungen, ihren Stromverbrauch möglichst gering zu halten.

Deutliche regionale Unterschiede beim Stromverbrauch

Die Bundesländer mit dem höchsten Stromverbrauch waren im untersuchten Zeitraum das Saarland, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. In Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin waren die Verbraucher dagegen am sparsamsten. Der Unterschied beim Stromverbrauch liegt zwischen dem Saarland und Sachsen bei 25 Prozent. Von den westdeutschen Bundesländern ist Baden-Württemberg das sparsamste: Dort liegt der durchschnittliche Verbrauch eines Vierpersonenhaushalts unter 4.620 Kilowattstunden, was das Klischee vom sparsamen Schwaben ein Stück weit zu bestätigen scheint.

Zurück

Service

schließen