Kategorie: Zahlen, Daten, Fakten

Reich durch Immobilien?

Immobilienbesitzer sind längst nicht immer reiche Großgrundbesitzer; vielmehr gehört mehr als die Hälfte der deutschen Mietwohnungen privaten Kleinvermietern. Zwei Schlüssel mit Hausanhänger liegen auf einem Holztisch

 

Die sind wirtschaftlich mal mehr, mal weniger erfolgreich mit der Vermietung. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat sich die Vermieterlandschaft in der Auswertung der Perspektiven für private Kleinvermieter genauer angeschaut.

Wer sind die wichtigsten Vermieter in Deutschland?

Der Großteil der in Deutschland vermieteten Wohnungen gehört nicht etwa Unternehmen, deren Hauptgeschäft die Immobilienvermietung ist. 60 Prozent der Mietwohnungen hierzulande – also gut 15 Millionen Wohnungen – liegen in den Händen von etwa 3,9 Millionen privaten Kleinvermietern. Als Privatvermieter gelten Haushalte, die zwar Immobilien vermieten oder verpachten und daraus Einkünfte erzielen, das aber nicht hauptberuflich betreiben. Sprich: Sie haben noch andere Einnahmequellen, aus denen sie ihren Lebensunterhalt bestreiten. 70 Prozent der Privatvermieter finden sich in Städten, auf dem Land leben nur 30 Prozent von ihnen.

Wie reich sind private Vermieter in Deutschland wirklich?

Deutsche Privatvermieter schwimmen nur selten in Reichtum: Nicht einmal die Hälfte hat Mieteinnahmen von mehr als 5.000 Euro netto im Jahr – ein Betrag, der nach Abzug der Steuern noch überschaubarer wird. Bei etwas über sieben Prozent überstiegen die Kosten 2015 sogar die Mieteinnahmen – die Vermietung brachte in diesen Fällen also kein Zubrot, sondern sorgte für handfeste Verluste. Aber immerhin 47 der Vermieterhaushalte kann die Kasse mit Netto-Einnahmen von mehr als 5.000 Euro jährlich aufbessern.

Bei den Einnahmen zeigen sich regionale Unterschiede: In Städten liegen die Mieteinnahmen durchschnittlich oberhalb der 10.000-Euro-Grenze, während auf dem Land im Schnitt nur 6.000 Euro auf dem Konto des Vermieters landen. Gerade in begehrten Metropolen profitieren Vermieter zwar von steigenden Mieten, sind aber bei Mietpreiserhöhungen viel zurückhaltender als professionelle Immobilienunternehmen. 

Mitunter verdienen Mieter mehr als ihre Vermieter

Im Rahmen der Studie wurde nicht nur ermittelt, wie hoch die Mieteinnahmen sind, sondern auch, wie das Gesamteinkommen der Privatvermieter aussieht. Das durchschnittliche Netto-Haushaltseinkommen lag 2015 bundesweit bei 2.100 Euro pro Monat. Mieterhaushalte hatten in diesem Zeitraum mit im Schnitt 3.315 Euro netto immerhin gut 1.200 Euro mehr zur Verfügung.

Bei diesen Durchschnittswerten ist aber zu beachten, dass sich die Einnahmen aus der Vermietung nicht gleichmäßig auf alle Privatvermieter verteilen. Immerhin sechs Prozent der einkommensschwächsten Haushalte in Deutschland sind auch Vermieter – hier bleiben allerdings nur kleine Beträge hängen. So schaffen es 22 Prozent der Privatvermieter auch mit den Miteinnahmen nicht einmal auf das bundesweite Durchschnittseinkommen von 2.100 Euro. Unter den einkommensstärksten Haushalten hingegen sind immerhin 21 Prozent Vermieter – hier sind die Einnahmen auf allen Ebenen sehr viel höher.

Das Bild vom reichen Vermieter, der beim armen Mieter abkassiert, ist also ein Klischee, dass  nicht unbedingt der Realität entspricht. Private Vermieter in Deutschland sind oft alles andere als reich und hätten, so bitter es klingen mag, häufig mehr verdient, wenn sie in Aktien von Wohnungsgesellschaften investiert hätten, statt selbst Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Der typische Vermieter: Verheiratet, über 60, aus Baden-Württemberg

Die Auswertung, die auf dem Zensus von 2011 und dem Sozio-Ökonomischen Panel (SOEP) von 2015 basiert, hat auch ein Augenmerk darauf gerichtet, welche Personen in Deutschland als private Vermieter auftreten. Das Ergebnis: Vermieter gibt es in allen Alters- und Gesellschaftsgruppen – manche sind allerdings stärker vertreten als andere: Über ein Drittel von ihnen ist bereits in Rente, ein weiteres Drittel machen Angestellte aus, 14 Prozent entfallen auf Freiberufler und Selbstständige. 62 Prozent der Privatvermieter sind verheiratet.

Zum Umstand, dass ein großer Teil der Immobilienbesitzer bereits im Ruhestand ist, passt auch die Altersstruktur: Während nur drei Prozent der 18- bis 24-Jährigen Wohneigentum vermieten, sind es mit 45 bis 55 Jahren bereits 12 Prozent und die über 55-Jährigen machen insgesamt 31 Prozent der Privatvermieter aus. Auffällig sind regionale Unterschiede: In einigen Bundesländern gibt es deutlich mehr private Vermieter als in anderen. In Baden-Württemberg sind gute 15 Prozent der Einwohner auch Vermieter, in Sachsen-Anhalt nicht mal drei Prozent. Der bundesweite Durchschnittsanteil von Vermieterhaushalten liegt bei neun Prozent.

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