Kategorie: Aktuelle Kreditthemen

Probleme der Wohnimmobilienkreditrichtlinie

Am 21. März 2016 trat das sogenannte „Gesetz zur Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie und zur Änderung handelsrechtlicher Vorschriften“ in Deutschland in Kraft. Älteres Ehepaar bei der Beratung - CreditPlus Kredit Magazin

 

Es soll den Verbraucherschutz verbessern und verhindern, dass sich vor allem ältere Menschen durch einen Immobilienkauf finanziell übernehmen. Doch wie sich nun zeigt, behindert das Gesetz viele Bundesbürger vielmehr bei einer effizienten Altersvorsorge als das es sie schützt.

Ziel der EU-Richtlinie: Verbesserter Verbraucherschutz

Durch die EU-Richtlinie, die im März in deutsches Recht umgesetzt wurde, soll vermieden werden, dass sich das Schicksal spanischer Immobilienkäufer während der Finanzkrise in anderen EU-Ländern wiederholt. Dort hatten sich viele Verbraucher „weit über ihre Belastungsgrenzen hinaus“ verschuldet, wie es in einem Brief des Bundesfinanzministeriums heißt. Infolge der Finanzkrise konnten die Betroffenen ihre Kredite nicht mehr bedienen. Um dies künftig zu vermeiden, wurden im Rahmen der EU-Richtlinie die Bedingungen für die Vergabe von Immobilienkrediten verschärft. 

Verbraucher beklagen Diskriminierung durch Wohnimmobilienkreditrichtlinie

Dies scheint in Deutschland jedoch die Falschen zu treffen. Vor allem ältere Arbeitnehmer und Rentner haben seit  Inkrafttreten der Wohnimmobilienkreditrichtlinie zunehmend Probleme, ein Baudarlehen zu erhalten, obwohl sie durchaus zahlungskräftig sind. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) berichtet, beschäftigt dieses Problem nun sowohl das Finanz- als auch das Verbraucherschutzministerium, außerdem auch Bundestagsabgeordnete und Banken. Lothar Binding, Finanzexperte der SPD, erklärte gegenüber der „SZ“, dass sich speziell ältere Verbraucher zunehmend diskriminiert fühlen. Banken bestätigen, dass sie aufgrund der Wohnimmobilienkreditrichtlinie immer mehr Kreditanträge ablehnen müssen.

Vom Staat gewünschte Altersvorsorge wird erschwert

Fatal an dieser Entwicklung ist, dass es ich dabei meist um Darlehen für den Kauf von Immobilien zur Altersvorsorge und für altersgerechte Umbauten von vorhandenem Wohneigentum handelt. Ein Großteil der abgelehnten Kreditanträge stammt von Arbeitnehmern ab Mitte 50, die ein gesichertes Einkommen beziehen und von Senioren, die bereits im Eigenheim leben und dies altersgerecht umbauen wollen. Die EU-Richtlinie sieht allerdings vor, dass Banken Kredite dafür nur gewähren dürfen, wenn diese „innerhalb der statistischen Lebenserwartung des Kreditnehmers vollständig zurückgeführt werden“ können. Dass die Immobilie als Sicherheit in der Regel im Wert sogar steigt und den Darlehensbetrag meist in absehbarer Zukunft übersteigt, ist nach dem neuen Gesetz von untergeordneter Bedeutung. Das Verbraucherschutzministerium würde die Entwicklung beobachten, erklärte ein Sprecher auf Nachfrage der „SZ“. Noch bestünde allerdings kein Anlass, einzugreifen. SPD-Politiker Binding sieht hingegen konkreten Handlungsbedarf. Er wolle die gesetzlichen Regelungen bis Jahresende entschärfen lassen, sollte sich an „der ungewollten starken Einschränkung der Kreditvergabe“ nichts ändern, berichtet die Tageszeitung.

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