Kategorie: Aktuelle Kreditthemen

Online-Ratenkauf vs. Online-Kredit

Online-Händler bieten ihren Kunden zunehmend die Möglichkeit zum Ratenkauf und greifen damit die Online-Kredite der Banken an.
Junge Frau sitzt mit einer Kaffeetasse in der Hand und einem Laptop auf dem Schoß auf einem Bett vor einer weißen, mit Stuck besetzten Wand - CreditPlus Kredit Magazin

 

Für den Online-Ratenkauf gelten weniger strenge gesetzliche Regeln als für die Aufnahme eines Online-Kredits. Die Händler nutzen dabei eine Gesetzeslücke, die den Banken nicht offen steht. Daher fordert der Bankenfachverband nun, die gesetzlichen Vorgaben für Online-Kredite und -Ratenkäufe anzugleichen.

Bankenfachverband fordert Gleichstellung von Online-Ratenkäufen und Online-Krediten

Während ein Online-Ratenkauf häufig mit wenigen Klicks getätigt ist, legt der Gesetzgeber die Hürden für den Abschluss eines Online-Kredits deutlich höher. Hier ist eine Signatur des Kreditnehmers ebenso erforderlich wie die sogenannte „Geldwäscheprüfung“, mit welcher der Staat unlautere Geschäfte unterbinden will. Dementsprechend müssen beim Abschluss eines Online-Kredits deutlich mehr Angaben und auch Klicks gemacht werden. Letztlich seien Online-Kredit und Online-Ratenkauf jedoch identische Geschäfte, so die Einschätzung des Bankenfachverbands: In beiden Fällen würde der Kunde ein Produkt oder eine Dienstleistung erhalten, die er in Raten abbezahlt. Deshalb müssten für beide Modelle die gleichen Regeln gelten und der Kreditabschluss im Internet dementsprechend vereinfacht werden.

Bafin wertet Ratenkauf nicht als Kreditgeschäft

Die Finanzaufsicht Bafin teilt diese Einschätzung allerdings nicht. Die Behörde erklärt in einem Merkblatt zum Kreditgeschäft, dass es sich beim Ratenkauf um einen „atypisch ausgestalteten Kaufvertrag“ handele, nicht jedoch um einen Darlehensvertrag. Demzufolge würden die Händler den Kaufpreis lediglich stunden. Doch selbst wenn sie für diese Stundung Zinsen erheben, handele es sich nicht um ein Kreditgeschäft. Ermöglicht wird den Online-Händlern das Anbieten von Ratenkäufen dadurch, dass sie ihre Forderungen an Online-Zahlungsdienste wie Billpay oder Wonga abtreten. Diese Dienste, die dann die Zahlungsabwicklung für die Händler übernehmen, sind von der Bafin für das Finanztransfergeschäft lizenziert. Da es sich hierbei um sogenanntes „Factoring“, also den Handel mit Forderungen, handelt und nicht um ein Kreditgeschäft, gelten die Bestimmungen für die Kreditvergabe nicht. Auch die Regelungen zur verantwortungsbewussten Kreditvergabe spielen hierbei keine Rolle.

Seit 1. Juli leichte Vereinfachungen bei Online-Krediten

Seit dem Inkrafttreten einer neuen EU-Richtlinie über die elektronische Identifizierung und Signatur am 1. Juli 2016 ist der Abschluss von Online-Krediten etwas vereinfacht worden. Kreditnehmer können ihre Identität seitdem theoretisch auch per Video-Chat am Computer, Smartphone oder Tablet mit ihrem Ausweis nachweisen. Nach Zuteilung einer persönlichen Transaktionsnummer kann auch die Unterschrift elektronisch geleistet werden. Dies geht dem Geschäftsführer des Bankenfachverbandes, Peter Wacket, jedoch nicht weit genug, da der Ratenkauf für den Kunden dennoch deutlich weniger Aufwand bedeutet als der Abschluss eines Online-Kredits.

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