Kategorie: Zahlen, Daten, Fakten

Mehr Geld sorgt für ein längeres Leben

Viele Menschen träumen von der Unsterblichkeit. Die ist zwar noch nicht Realität, eine höhere durchschnittliche Lebenserwartung als noch vor einigen Jahrzehnten allerdings schon. Hände einer älteren Frau halten Geld in die Kamera

 

Von einer höheren Lebenserwartung profitieren jedoch nicht alle. Eine US-Studie zeigt, was für ein hohes Alter wichtig ist: Geld. Das ist in Deutschland nicht anders.

Arme Menschen sterben früher

Wenig Einkommen = geringe Lebenserwartung. Diese Formel ist das Ergebnis einer Studie der University of Washington in Seattle, die auf dem medizinischen Fachportal „The JAMA Network“ veröffentlicht wurde. Die Forschungsarbeit widmete sich der durchschnittlichen Lebenserwartung der US-Amerikaner zwischen 1980 und 2014. Dabei zeigte sich, dass Bewohner der ärmsten Landstriche erheblich früher sterben als jene in wohlhabenderen Regionen.

20 Jahre früher oder später tot 

Laut Studie wurden am Ende des Beobachtungszeitraums die US-Bürger 79,1 Jahre alt. Im Vergleich zu 1980 (73,8 Jahre) erreichten sie damit ein deutlich höheres Lebensalter. Die längere Lebensspanne hängt allerdings stark vom Lebensmittelpunkt ab. So ermittelten die Wissenschaftler, dass Menschen in reicheren Städten und Bundesstaaten wie Kalifornien, Boston, New York und Washington mit 82 bis 85 Jahren sterben. Wer in finanzschwachen Regionen wohnt, stirbt bereits mit 66 bis 68 Jahren. Ein Unterschied von fast 20 Jahren.

Geld, Bildung und Gesundheit machen den Abstand aus

Die Diskrepanz ist nicht neu, sondern zeigte sich über die gesamten 35 beobachteten Jahre hinweg. Allerdings ist in der Zeit die Schere zwischen früherem und späterem Tod immer weiter auseinandergegangen. Woran liegt das? An einer Kombination mehrerer Faktoren. So haben die Forscherin Laura Dwyer-Lindgren und ihr Team einen Ursachenmix aus sozioökonomischen, ethnischen, Verhaltens-, Stoffwechsel- und Gesundheitsfaktoren ermittelt. Mit anderen Worten: Wo es den Menschen an Geld, Bildung, medizinischer Versorgung und gesunder Ernährung mangelt, ist die durchschnittliche Lebenserwartung geringer.

Diese Erkenntnis mag zwar nicht überraschend sein, dass sie allerdings in den reichen Vereinigten Staaten so stark zum Tragen kommt, verwundert schon. Aber nicht nur dort zeichnet sich dieser Trend ab. Es gibt ihn auch in Deutschland.

Im deutschen Süden lebt‘s sich länger

Bürger in den Landkreisen Starnberg, Hochtaunus, rund um München, am Bodensee und im Raum Freiburg dürfen sich auf ein vergleichsweise hohes Alter freuen. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, liegt ihre durchschnittliche Lebenserwartung bei annähernd 84 Jahren. Das kommt nicht von ungefähr, da diese Regionen die höchsten Einkommen und die besten Bildungsmöglichkeiten in Deutschland verzeichnen. In der Folge legen die Menschen dort mehr Wert auf ihre Gesundheit und erholen sich in ihrer Freizeit besser als in weniger begüterten Gegenden der Bundesrepublik. Dort sterben die Einwohner im Mittel acht Jahre früher.

Die soziale Schicht entscheidet

Das Risiko, früher zu sterben, hängt auch hierzulande stark von gesellschaftlichen Aspekten ab. Wer zur untersten sozialen Schicht gehört, muss sich mit elf bis 15 Lebensjahren weniger abfinden, als jemand mit mehr Geld und Bildung.

Die Autoren der US-Studie sehen die Politik in der Pflicht. Sie müsse Maßnahmen ergreifen, die die benachteiligenden Umstände für ärmere Menschen in den USA beseitigen. Nur so könne der Trend der unterschiedlichen Lebenserwartung umgekehrt werden. Das dürfte auch für Deutschland gelten.

Zurück

Service

schließen