Kategorie: Zahlen, Daten, Fakten

Macht Geld glücklich? Und wenn ja, wie viel?

Glaubt man dem Volksmund, macht Geld nicht glücklich. Doch auch wenn sich diese Weisheit seit vielen Jahrzehnten – womöglich sogar noch viel länger – hält, heißt das nicht zwingend, dass sie auch stimmt. Mann am Arbeitsplatz mit Füßen auf dem Tisch freut sich über viel herabfallendes Geld

 

Der Ökonomieprofessor Angus Deaton von der Universität Princeton hat in einer vielbeachteten Studie nachgewiesen, dass Geld eben doch glücklich macht, zumindest zu einem gewissen Grad. Für seine Arbeit wurde Deaton im Jahr 2015 der Wirtschaftsnobelpreis verliehen – es scheint also etwas an der Theorie des gebürtigen Schotten dran zu sein.

Doch wie viel Geld ist nötig, um glücklich zu sein? Um es kurz zu machen: Laut Deaton reicht ein Jahreseinkommen von 75.000 US-Dollar, umgerechnet etwa 67.000 Euro. Ab diesem Betrag sind Menschen so zufrieden, dass ein Mehr an Geld sie nicht eklatant glücklicher macht. Allerdings ist die Sache mit dem Glück dann doch nicht ganz so einfach. Um den Zusammenhang von Geld und Zufriedenheit zu verstehen, sollte man die Hintergründe der Untersuchung kennen, die Deaton in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Daniel Kahnemann erstellte. 

Geld und Leben: Glück auf zwei verschiedenen Ebenen

Die Forscher werteten im Rahmen ihrer Studie 450.000 Antworten des sogenannten „Well-Being Index“ des Marktforschungsinstituts Gallup aus. In diesen Index fließen täglich Umfragen mit 1.000 Teilnehmern ein. Bei ihrer Auswertung stellten die beiden Ökonomen fest, dass zwischen zwei unterschiedlichen Arten von Glück oder Zufriedenheit unterschieden werden kann, nämlich auf tagesaktueller Ebene und auf lebenslanger. In die tagesaktuelle Zufriedenheit fließen alltägliche Glücksmomente und Sorgen ein – dazu zählen Faktoren wie ein schönes Essen oder Probleme, wie beispielsweise die Miete zu bezahlen. Auf der lebenslänglichen Ebene geht es um das Empfinden, wenn Menschen ihr Leben als Ganzes betrachten. Es geht dabei um grundsätzliche Fragen: Habe ich die Ziele erreicht, die ich mir gesteckt habe? Habe ich Träume, die ich noch verwirklichen möchte? Habe ich mein Potenzial voll ausgeschöpft?

Geld hat Einfluss auf beide Ebenen des Glücks – allerdings auf unterschiedliche Art und Weise. Der eingangs erwähnte Betrag von 67.000 Euro sorgt für tagesaktuelle Zufriedenheit. Mehr Geld macht auf dieser Ebene nicht noch glücklicher, bei 67.000 Euro ist ein Glücksplateau erreicht. Wer 90.000 Euro jährlich zur Verfügung hat, spaziert also nicht sonderlich glücklicher durch die Welt als jemand, der 20.000 Euro weniger verdient. „Vielleicht ist das die Grenze, ab der mehr Geld keinen Einfluss mehr auf die Möglichkeiten der Befragten hat, die Dinge des Alltags zu tun, die sie als schön empfinden“, versuchen Deaton und Kahnemann dieses Phänomen in ihrer Studie zu erklären. Darunter verstehen sie beispielsweise Zeit mit Freunden zu verbringen, Krankheiten zu vermeiden oder einfach die eigene Freizeit zu genießen.

„Viel hilft viel“ – großes Vermögen macht insgesamt zufriedener

Anders sieht es allerdings beim lebenslangen Glück aus. Hier gilt eher das gegenteilige Motto „viel hilft viel“ – bei einem Vermögen von 67.000 Euro ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Die beiden Princeton-Wissenschaftler fanden heraus, dass, je reicher ein Mensch ist, er umso glücklicher und zufriedener sein Leben betrachtet. Zunehmend mehr Geld führe dazu, dass Menschen ihr Leben als immer besser, erfolgreicher und problemloser empfinden würden, erklärten die beiden Ökonomen im Gespräch mit dem „Wall Street Journal“. 

Geld macht doch glücklich – allerdings nur mittelbar

Geld macht also doch glücklich – so die Quintessenz der Untersuchung. Allerdings gibt es einen Trost für diejenigen, denen das Geld zum großen Glück fehlt. Letztendlich ist es nämlich gar nicht der Besitz von Vermögen, der uns glücklich und zufrieden macht. Glückspendende Faktoren sind andere, beispielsweise ein gutes Essen mit Freunden oder Zeit mit der Familie zu verbringen – nur kann man sich diese mit einem gewissen Vermögen eher leisten. Wer hingegen permanent Geldsorgen hat, hat meist den Kopf nicht frei für solche Momente des Glücks.

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