Kategorie: Zahlen, Daten, Fakten

Kurze Fristen verbessern die Zahlungsmoral

Kurze Zahlungsfristen führen dazu, dass Rechnungen häufiger pünktlich beglichen werden. Diesen Zusammenhang belegt eine aktuelle Studie. Geld, Kalender und Füller auf einem Holztisch

 

Deutschland führt europaweit mit den kürzesten Zeiträumen und den pünktlichsten Zahlungseingängen.

Durchschnittliche Fristen zwischen 24 und 47 Tagen

Wer in Griechenland etwas kauft, hat im Schnitt 47 Tage Zeit, seine Rechnung zu begleichen. Das ist eigentlich viel Zeit. Trotzdem schaffen es rund 26 Prozent der Kunden nicht, diese Frist einzuhalten. In Deutschland liegt das durchschnittliche Zahlungsziel bei 24 Tagen. Dabei geraten jedoch nur 17 Prozent der Schuldner in Verzug. Woran liegt das? Wie es scheint, neigen Kunden dazu, mit zunehmender Zeit immer weniger auf eine pünktliche Zahlung ihrer Rechnungen zu achten. Diesen Zusammenhang zwischen der Zahlungsmoral und den Zahlungsfristen gibt es tatsächlich. Das belegt die repräsentative Studie „Europäische Zahlungsgewohnheiten 2017“. Sie wurde von der EOS-Gruppe zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Kantar TNS zum zehnten Mal durchgeführt. 3.200 Unternehmen in 16 europäischen Ländern waren dafür zu den regionalen Zahlungsgewohnheiten befragt worden.

Lange Frist, mehr Verzug

Vor allem osteuropäische Unternehmen geben ihren Kunden viel Spielraum für die Rechnungsbegleichung. Im Schnitt haben Privatkunden 37 Tage dafür Zeit, bei Geschäftskunden sind es sogar 40 Tage. Diese Großzügigkeit hat allerdings zur Folge, dass in 25 Prozent der Fälle die Rechnungen entweder gar nicht oder verspätet bezahlt werden. Griechenland ist mit seinen Zahlen bei Fristen und Verzug das europäische Schlusslicht. Am anderen Ende der Skala steht Deutschland: Mit den kürzesten Zahlungszeiträumen und den pünktlichsten Schuldnern führt das Land den Vergleich an. Generell sind in Westeuropa die Fristen kürzer als im Osten, wie die Studie zeigt. Der Schnitt liegt bei 33 Tagen, die Verspätungsquote beträgt rund 19 Prozent. Eine Ausnahme bildet Großbritannien, das durchschnittlich 34 Tage zulässt. Aber dafür verzeichnen die Briten auch 22 Prozent unpünktlich bezahlte Rechnungen. Kurze Fristen scheinen also geeignet zu sein, das Zahlungsverhalten bei Kunden zu verbessern.

Unternehmen verkürzen Zahlungsziele

"Von 2015 auf 2016 verlängerten Unternehmen in Europa ihre Zahlungsfristen. Sofort war eine leichte Verschlechterung der Zahlungsmoral zu erkennen. Aktuell korrigieren sie ihre Zahlungsziele wieder nach unten", sagt Klaus Engberding, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburger EOS Gruppe. Im Vergleich zu 2016 wird den europäischen Kunden 2017 mit durchschnittlich 35 Tagen ein Tag weniger Zeit für die Rechnungsbegleichung gewährt. Rumänien und die Slowakei sind noch einen Schritt weitergegangen und haben gleich um zwei Tage reduziert: von 39 auf 37 Tage beziehungsweise von 38 auf 36 Tage.

Moderate Anpassungen, um keine Kunden zu verlieren

Die Verkürzung der Zahlungsfristen bei den europäischen Unternehmen macht sich bemerkbar. Der Anteil an pünktlichen Zahlungseingängen stieg damit bei Geschäftskunden von 76 auf 77 Prozent, bei privaten Kunden von 79 auf 80 Prozent. Die Unternehmen profitieren entsprechend von weniger Zahlungsausfällen und -verzögerungen. Aber auch für die Kunden ist die Entwicklung von Vorteil: Wer rechtzeitig bezahlt, muss nicht mit Verzugszinsen und Mahngebühren rechnen. Klaus Engberding weist aber auch darauf hin, dass Fristverkürzungen mit Bedacht vorgenommen werden sollten. Zu kurze Fristen könnten dazu führen, dass Unternehmen Kunden vergraulen. Insofern würden die Unternehmen von Jahr zu Jahr nur sehr moderate Kürzungen umsetzen.

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