Kategorie: Zahlen, Daten, Fakten

Kaufkraft in Deutschland 2017

Was geben die Deutschen eigentlich jedes Jahr für Essen, Kleidung und Co. aus? Eine Studie hat sich damit mal genauer befasst. Junges Paar hat Spaß im Supermarkt

 

Die Studie „GfK Sortimentskaufkraft 2017“ hat die Kaufkraft und das Kaufverhalten in der Bundesrepublik unter die Lupe genommen

Kaufkraft in Deutschland hat ein Ost-West-Gefälle

Rund 30.000 Haushalte aus allen Land- und Stadtkreisen der Republik haben anonym Angaben zu Ihrem Kaufverhalten gemacht. Aus diesen und weiteren Daten hat das Marktforschungsunternehmen GfK die durchschnittliche Kaufkraft pro Kopf und einen regionalen Kaufkraftindex ermittelt. Bei diesem Index ist 100 der bundesweite Durchschnitt, sodass die Zahlen angeben, wie stark einzelne Land- und Stadtkreise über oder unter dem Mittelwert liegen.

Bei einem Blick auf die Kaufindex-Landkarte fallen zwei Dinge auf: In Metropolregionen ist der Kaufkraftindex meist besonders hoch; so liegt er zum Beispiel rund um Hamburg bei 104 bis 120, in der Gegend von Frankfurt und München sogar bei 104 bis über 128. Ostdeutschland hingegen hat flächendeckend einen Kaufkraftindex von 80 bis 96 – nur ein paar wenige Kreise schaffen es auf den Bundesdurchschnitt und kein einziger darüber hinaus.

Kaufkraft pro Kopf und Kaufkraftindex am Beispiel Spielzeug

Auffällig ist, dass die Kaufkraft einer Region in absoluten Zahlen groß sein kann, obwohl dem Einzelnen im Vergleich dazu wenig Geld zur Verfügung steht – und umgekehrt. So ist es etwa in Berlin: Die 3,5 Millionen Einwohner der Hauptstadt haben eine Kaufkraft von 364 Millionen Euro für Spielwaren und Hobbybedarf und damit das größte regionale Gesamtpotenzial in Deutschland. Der Kaufkraftindex Berlins – und damit die Kaufkraft der einzelnen Einwohner – liegt mit 94,7 aber unter dem Bundesdurchschnitt. Im Landkreis Ludwigsburg in der Nähe von Stuttgart hingegen leben nur etwas über 530.000 Menschen, die etwa 70 Millionen Euro für Spielsachen ausgeben können und damit pro Kopf weit über dem Durchschnitt liegen: Der Kaufkraftindex dieses Sortiments beträgt hier 119,4.

Dafür geben die Deutschen Geld aus: Essen und Baumarkt-Waren

In der Studie werden 17 verschiedene Sortimentsgruppen unterschieden: Nahrungs- und Genussmittel sowie 16 Non-Food-Kategorien wie etwa Bekleidung, Spielwaren und Hobbys, Einrichtungsbedarf, Pflegeprodukte und baumarktspezifische Artikel.

41,1 Prozent ihrer Kaufkraft steht den Bundesbürgern für Nahrungsmittel zur Verfügung – durchschnittlich 2.362 Euro pro Person jährlich. Auf Platz zwei landet mit 10,7 Prozent das Baumarktsortiment: 615 Euro gibt man hierzulande durchschnittlich für Auto-, Garten- und Tierzubehör aus. Auf den Folgeplätzen finden sich Einrichtungsbedarf mit 8,3 Prozent (476 Euro jährlich) und Gesundheits- und Körperpflegeprodukte mit 8 Prozent (460 Euro). Erst danach tauchen Posten wie Bekleidung, Schuhe oder Elektronik auf.  Auf dem letzten Platz landen Baby- und Kinderartikel mit 0,3 Prozent der Kaufkraft (15 Euro)

Regionale Kaufkraftunterschiede innerhalb der Produktgruppen

Neben der Kaufkraft im deutschlandweiten Durchschnitt sind die regionalen Unterschiede innerhalb der Sortimente spannend: In Nordrhein-Westfalen scheint man sich weniger für Baumarktartikel zu interessieren, denn hier liegt der Kaufkraftindex für diese Produkte fast überall nur zwischen 80 und 96 – in Gelsenkirchen sogar bei unter 72 mit einer Pro-Kopf-Kaufkraft von 429 Euro. In Starnberg am See hingegen gibt man durchschnittlich 775 Euro jährlich dafür aus und führt mit einem Regionalindex von 126 die Statistik dieser Kategorie an.

Die Marktforscher haben sich auch Untergruppen näher angeschaut und zum Beispiel untersucht, wie viel Geld die Menschen für Wasser im Einzelhandel ausgeben. Während im Hochtaunuskreis 62 Euro ins Trinkwasser fließen, rangiert Görlitz mit 27 Euro am anderen Ende der Skala. Generell liegen die Einwohner im Südwesten mit ihren Ausgaben für Wasser weit über dem Durchschnitt (Index von 112 bis über 128), während man in den neuen Bundesländern weitestgehend bei einem Wert von unter 80 bleibt

Studie zur Kaufkraft erklärt keine Ursachen

Die GfK-Studie zur Kaufkraft in Deutschland liefert aktuelle, nicht inflationsbereinigte Zahlen, aber keine Gründe, warum die finanziellen Möglichkeiten so verteilt sind. Ob die unterschiedlichen Gehaltsstrukturen eine Ursache sind, ob man in NRW einfach keinen Platz zum Bauen hat oder in Görlitz das Trinkwasser so gut schmeckt, bleibt Spekulation.

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