Kategorie: Zahlen, Daten, Fakten

Finanzbildung der Deutschen

Eine aktuelle Umfrage zeigt: Die Deutschen sind mit ihrer Finanzbildung unzufrieden und wüssten in Sachen Geldverwaltung gern besser Bescheid. Eurozeichen an Pendel und Köpfe mit Fragezeichen an Pendeln

 

Im Rahmen der ING International Survey (IIS) 2017 wurden rund 12.700 Menschen aus zwölf europäischen Ländern gebeten, ihre Finanzbildung einzuschätzen. Deutschland konnte sich dabei im Ranking um eine Position verbessern – und liegt nun nur noch auf dem vorletzten Platz.

Über die Hälfte der Deutschen hat keinerlei Finanzwissen

Die Studie hat nicht überprüft, wie gut die Befragten sich tatsächlich mit dem Thema Finanzen auskennen. Erfragt wurde lediglich die Selbsteinschätzung – und die ist ernüchternd: 51 Prozent gaben an, über keinerlei Finanzbildung zu verfügen. In einer früheren Studie von 2013 waren es 53 Prozent. Die Verbesserungen in diesem Bereich sind also nicht wirklich spürbar; möglicherweise nicht einmal vorhanden, sondern nur auf statistische Schwankungen zurückzuführen.

Auch europaweit betrachtet, glänzen die Befragten nicht gerade mit finanzwirtschaftlicher Expertise: Im Durchschnitt wissen immer weniger Menschen in Finanzfragen Bescheid. Am schlechtesten sieht es in Großbritannien aus: 56 Prozent der Befragten gaben an, keinerlei Finanzbildung erhalten zu haben.

Wunsch versus Realität: Finanzbildung wird als wichtig empfunden

Dabei lässt sich die geringe Kompetenz keineswegs durch ein mangelndes Interesse an Finanzwissen erklären. Über 90 Prozent der befragten Bundesbürger empfinden Finanzbildung als sehr wichtig. 

Auf die Frage, wo die Wissensvermittlung im Umgang mit Geld stattfinden soll, fiel die Antwort recht eindeutig aus: 80 Prozent finden, dass die Schule der geeignete Ort dafür ist. Die Familie sehen etwa 30 Prozent in der Pflicht. Knapp zehn Prozent finden, dass die Regierung diese Aufgabe übernehmen sollte und etwa 15 Prozent würden Finanzinstitutionen damit betrauen. Mehrfachnennungen waren möglich.

Schule vermittelt keine Wirtschaftskompetenz

In der Realität können die Bildungsstätten diesem Anspruch aber nicht gerecht werden, denn nur bei 15 Prozent der Befragten enthielt der Stundenplan auch Finanzthemen. Selbst bei diesen 15 bleibt offen, wie lebensnah und praxistauglich das dort vermittelte Wissen ist; sprich, ob es dazu führt, dass die Schüler sich später als ausreichend kompetent in Finanzfragen betrachten.

Haupt- und Realschüler verlieren dabei gleich doppelt: Hier steht wirtschaftliche Bildung seltener auf dem Stundenplan als am Gymnasium. Im späteren Leben verdienen diese Schüler nicht nur weniger, sondern haben auch noch weniger Ahnung, wie sie mit ihrem Geld umgehen sollen.

Junge Menschen sind besonders ahnungslos

Bei der Finanzbildung zeigen sich bemerkenswerte Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Insbesondere die jungen Teilnehmer der Studie fühlen sich Geldfragen nicht gewachsen. Im Jahr 2013 hatten noch 31 Prozent der 18- bis 24-Jährigen angeben, in der Schule finanzielle Bildung erhalten zu haben. Dieses Jahr waren es nur noch 18,5 Prozent. 

Die insgesamt leichte Verbesserung im Vergleich zu 2013 ist vor allem den Menschen zwischen 35 und 44 zu verdanken. Von ehemals 56 Prozent ist die Quote der finanziell wenig Gebildeten auf 48,5 Prozent gefallen. Auf die Nachfrage, woher sie ihr Wissen bezogen haben, wurden vor allem Bücher sowie Freunde und Familie als Quelle genannt.

Keine relevanten Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Die Teilnehmer wurden auch gefragt, wer ihrer Meinung nach besser mit Geld umgehen kann – Männer oder Frauen? Im Vergleich zur letzten Studie wurde der Anteil derer größer, die Finanzkompetenz nicht ans Geschlecht knüpfen. Im europäischen Durchschnitt wird Männern und Frauen in der Regel ein gleichermaßen gutes oder schlechtes Händchen für Finanzentscheidungen zugesprochen. Bei denen allerdings, die sich für eines der beiden Geschlechter entschieden, zeigt sich ein eindeutiger Trend: Frauen verwalten Geld gefühlt besser als Männer.

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