Kategorie: Zahlen, Daten, Fakten

Deutsche wollen sonntags nicht einkaufen

Jüngere Deutsche werden sich kaum noch daran erinnern, aber vor nicht allzu langer Zeit war Einkaufen für viele Arbeitnehmer noch eine logistische Herausforderung. Einkaufswagen in einem Supermarkt

 

Als 1996 die Ladenöffnungszeiten wochentags um eineinhalb Stunden bis 20 Uhr verlängert wurden, waren nicht alle Deutschen begeistert. Ähnlich verhält es sich heute auch mit der Einstellung zu Ladenöffnungszeiten am Sonntag.

Längere Öffnungszeiten der Geschäfte werden durchaus geschätzt

Bis 1996 galten in Deutschland die bereits 1957 eingeführten Ladenöffnungszeiten, nach denen Geschäfte an Wochentagen nur bis 18.30 Uhr geöffnet hatten. Für viele Arbeitnehmer heute unvorstellbar und sicherlich auch vor 20 Jahren schon nicht für alle einfach. Dennoch regte sich damals auch Protest, als die Ladenöffnungszeiten an Wochentagen bis 20 Uhr verlängert wurden. Seit 2006 legen die einzelnen Bundesländer die Regelung der Ladenöffnungszeiten selbst fest. Mit wenigen Ausnahmen dürfen Geschäfte an Wochentagen bis Mitternacht öffnen, in vielen Bundesländern auch an Samstagen. Auch wenn anfangs viel über die Notwendigkeit solch langer Öffnungszeiten diskutiert wurde, werden sie von den meisten Deutschen inzwischen sehr geschätzt. 76 Prozent finden längere Ladenöffnungszeiten sinnvoll, wie eine aktuelle Untersuchung des Marktforschungsunternehmens YouGov zeigt. Gleichzeitig haben zwei Drittel der Befragten allerdings auch Verständnis für die Mitarbeiter in den Supermärkten und anderen Geschäften, die dadurch bis in die späten Abendstunden arbeiten müssen.

Nur wenige nutzen lange Ladenöffnungszeiten regelmäßig

Regelmäßig nutzen die langen Ladenöffnungszeiten allerdings nur wenige. Zwischen 20 und 22 Uhr gehen immerhin neun Prozent mindestens einmal die Woche im Supermarkt einkaufen, weitere zehn Prozent immerhin mehrmals im Monat. Bei 31 Prozent der Befragten kam es höchstens einmal im Monat vor, dass sie sich zwischen 20 und 22 Uhr im Supermarkt wiederfanden und knapp die Hälfte (48 Prozent) gab an, nie so spät einkaufen zu gehen. Noch weniger sind es nach 22 Uhr: Knapp vier von fünf Bundesbürgern (78 Prozent) kommen um diese Zeit offenbar nicht auf die Idee, noch einkaufen zu gehen, bei 15 Prozent kommt es höchstens einmal im Monat vor. Mindestens einmal pro Woche nutzen nur 3 Prozent die Möglichkeit, auch nach 22 Uhr noch einkaufen zu können, 2 Prozent machen dies mehrmals im Monat. Allerdings konnten die Verfasser der Studie deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen feststellen. Bei den unter 30-Jährigen geht mehr als die Hälfte mindestens einmal im Monat zwischen 20 und 22 Uhr einkaufen, ein Fünftel auch noch später. Möglicherweise haben sich die Älteren so sehr an die jahrzehntelang gültigen Öffnungszeiten gewöhnt, dass sie die neuen Möglichkeiten kaum nutzen. Vielleicht sind die Jüngeren aber auch beruflich stärker eingebunden, sodass sie es nicht regelmäßig schaffen, ihren Lebensmitteleinkauf früher zu erledigen.

Sonntagsöffnungen für Mehrheit (noch) nicht erstrebenswert

Genau dieser Gruppe ist auch der Sonntag nicht mehr so heilig wie den älteren Deutschen. Obwohl ein großer Teil der Deutschen Sonntagsöffnungszeiten inzwischen aus dem Urlaub im europäischen Ausland kennen dürfte, hat dies offenbar keine Begehrlichkeiten bezüglich der heimischen Ladenöffnungszeiten geweckt. Mit 54 Prozent hält die Mehrheit der Deutschen Sonntagsöffnungen der Geschäfte für überflüssig. Vor allem ältere Bundesbürger sehen vergleichsweise selten eine Notwendigkeit. Unter den 50- bis 59-Jährigen und den über 60-Jährigen sind nur jeweils 36 Prozent der Meinung, dass es Geschäften grundsätzlich erlaubt werden sollte, am Sonntag zu öffnen. 59 beziehungsweise 60 Prozent lehnen dies hingegen ab. In der Altersgruppe von 40 bis 49 Jahren sind es mit 53 Prozent immer noch mehr als die Hälfte, die keinen Bedarf haben, auch sonntags einzukaufen, während 43 Prozent für Sonntagsöffnungszeiten plädieren. Beinahe ausgewogen ist das Verhältnis von Sonntagsöffnungszeiten-Befürwortern und -Gegnern mit 44 zu 48 Prozent  bei den 30- bis 39-Jährigen. Allerdings könnten die kommenden Generationen den Sonntag als letzte Bastion der Ladenöffnungszeiten in Zukunft zum Einsturz bringen. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind nämlich schon heute die Sonntagsöffnungszeiten-Befürworter leicht in der Mehrheit: 48 Prozent sind dafür, 45 dagegen.

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