Kategorie: Zahlen, Daten, Fakten

Deutsche und ihre Schnäppchen

Lebensmittelkauf als lästige Pflicht – das mag vielleicht für den Rest der Welt gelten, nicht jedoch für die Deutschen. Mehrere Personen ziehen an einem Schild mit Prozentzeichen - CreditPlus Kredit Magazin

 

Die Bundesbürger sehen den wöchentlichen Großeinkauf im Supermarkt eher als Erlebnis denn als notwendiges Übel. Und wenn sie dabei noch Geld sparen können, wird der Wocheneinkauf sogar zum echten Glücksstifter.

Deutsche nehmen sich Zeit für den Besuch im Supermarkt

Schnäppchen zu jagen, ist in der Bundesrepublik ein echter Volkssport. Das gilt insbesondere bei Lebensmitteln. Nicht ohne Grund ist Deutschland das Mutterland der Lebensmitteldiscounter. Und tatsächlich zelebrieren viele Deutsche den Lebensmitteleinkauf, wie eine aktuelle repräsentative Studie des Marktforschungsinstituts Nielsen zeigt. Mehr als die Hälfte (52 %) der Deutschen gab an, dass es ihnen Spaß macht, Lebensmittel einzukaufen. Dies ist allerdings noch keine deutsche Besonderheit, sondern entspricht dem europäischen Durchschnitt: 53 Prozent der Europäer gehen gerne Lebensmittel einkaufen. Was die Bundesbürger allerdings herausstechen lässt, ist die Leidenschaft, mit der sie ihrem Wocheneinkauf nachgehen. 37 Prozent der Deutschen nehmen sich für den Besuch im Supermarkt Zeit, im restlichen Europa tun dies nur 31 Prozent. Für 38 Prozent gilt im Supermarkt „schnell rein und möglichst schnell wieder raus“. Bei den Deutschen sind es hingegen nur 30 Prozent, die versuchen, so wenig Zeit wie möglich für den Lebensmitteleinkauf zu verwenden.

Suche nach Angeboten als Erlebnis

Doch was machen die Bundesbürger während ihrer ausgedehnten Aufenthalte im Supermarkt eigentlich? Zwar suchen auch sie nach Produkten mit gesunden Inhaltsstoffen (52 %) und lesen Nährstoffangaben auf Lebensmittelverpackungen (48 %) – dies tun Verbraucher in anderen europäischen Ländern im Schnitt allerdings häufiger (55 % bzw. 54 %). Ein Großteil der Deutschen geht beim Lebensmittelkauf tatsächlich der typisch deutschen Schnäppchenjagd nach: Beinahe zwei Drittel der Deutschen geht im Supermarkt auf die Pirsch nach Angeboten. Und dabei geht es ihnen nicht unbedingt um das Geld – auch wenn das Sparen sicherlich ein angenehmer Nebeneffekt ist. „Wir beobachten, dass den Deutschen die Suche nach Angeboten Spaß macht – eben als Teil des Einkaufserlebnisses“, so Ingo Schier, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Nielsen Deutschland gegenüber dem „Handelsblatt“.

Schnäppchenjagd sorgt für Glücksgefühle

Wissenschaftler dürfte weder die Lust am Lebensmitteleinkauf noch die Begeisterung für die Suche nach Angeboten überraschen. Psychologen zufolge ist der wöchentliche Besuch des Supermarkts für viele Menschen eine Art sinnstiftender Akt. „In einer Welt mit vielen komplexen Problemen ist das Einkaufen ein gleichbleibendes, konstantes Element“, erklärt Stephan Grünewald, Gründer des Kölner Marktforschungsunternehmens Rheingold und ausgebildeter Psychologe, gegenüber dem „Handelsblatt“. Das Sparen sorgt dabei offenbar für einen Extra-Kick. Der Bonner Neurowissenschaftler Bernd Weber wies vor einigen Jahren in Versuchen nach, dass der bloße Anblick eines Prozentzeichens vor einem Preisschild das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert. Allein der Hinweis auf ein mögliches günstiges Angebot ruft also eine positive Erwartung hervor. Wie groß muss dann erst das Glücksgefühl sein, wenn sich im Supermarkt wirklich ein Schnäppchen schlagen lässt?

Günstige Angebote wichtiger als Frische

Wie wichtig den Deutschen das Aufspüren von günstigen Angeboten ist, zeigt sich auch bei der Auswahl des Supermarkts. Während für die Europäer mit einem Anteil von 58 Prozent die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen frischen Produkten am wichtigsten bei der Wahl des Supermarkts ist, steht dieses Kriterium bei den Deutschen nur auf Platz drei. Für sie ist in den meisten Fällen (63 %) – wenig überraschend – das Preis-Leistungs-Verhältnis ausschlaggebend dafür, wo sie einkaufen.

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