Kategorie: Zahlen, Daten, Fakten

Deutsche schätzen Rentenniveau falsch ein

Finanzwissen ist für viele Deutsche ein Buch mit sieben Siegeln. Das zeigt sich auch in Fragen zum Rentenniveau.
Rentnerpaar sitzt auf einem Stapel von Euromünzen

 

In einer Studie der RWB Group vom Oktober 2017 wurden 1.004 Menschen ab 18 Jahren zur Entwicklung des Rentenniveaus befragt – und zeigten sich größtenteils ahnungslos.

Allgemeine Ratlosigkeit beim Thema Rente

„Können Sie sagen, auf welchen Anteil des letzten Nettolohns das gesetzliche Rentenniveau bis 2030 sinken darf?“ lautete die Fragestellung. Folgende Antwortmöglichkeiten standen zur Auswahl:

  • auf 33 Prozent
  • auf 43 Prozent
  • auf 53 Prozent
  • auf 63 Prozent
  • auf 73 Prozent
  • weiß nicht 

Die korrekte Antwort lautet: Die gesetzliche Rente sinkt bis 2030 auf 43 Prozent des verfügbaren Durchschnittsentgelts. Diese Angabe stammt von der Deutschen Rentenversicherung. Aktuell liegt das Rentenniveau übrigens bei 48,2 Prozent.

Rund 70 Prozent der Befragten kennen das zukünftige Rentenniveau gar nicht oder schätzen es falsch ein. Etwa jeder Vierte liegt mit seiner Schätzung dabei zu hoch – und das nicht nur ein bisschen: Um bis zu 30 Prozent zu viel versprechen sich etliche von ihnen.

Gender Gap beim Finanzwissen

Die Studie zeigt, dass nicht mal ein Drittel der Deutschen sicher weiß, was sie finanziell im Alter erwartet. Vergleicht man jedoch die Antworten von Männern und Frauen miteinander, zeigen sich deutliche Unterschiede in den Antwortstrukturen.

Die Frage nach dem Rentenniveau beantworteten 39,3 Prozent der Männer richtig. Bei den Frauen waren es gerade einmal halb so viele: 21,4 Prozent. 

Während sich nur 3,9 Prozent der Männer nach unten hin verschätzten und mit „33 Prozent“ antworteten, waren es bei den Frauen mehr: 6,2 Prozent.

Bei den nach oben hin falschen Antworten lagen die Männer vorn: Jeweils rund 11 Prozent tippten auf ein Rentenniveau von 53 beziehungsweise 63 Prozent. Bei den Frauen waren es jeweils rund 9 Prozent. Die falschen Optimisten mit „73 Prozent“ als Antwort traten mit 5,5 Prozent bei den Männern und etwas geringeren 4,9 Prozent bei den Frauen auf.

Besonders auffällig wird die Schere zwischen den Geschlechtern wieder, wenn es darum geht, wer gar keine Angabe gemacht hat oder offen zugab, es nicht zu wissen: 30,1 Prozent der Männer bekannten sich ahnungslos, während die Zahl unter den Frauen bei 49,5 Prozent lag. Ob die Männer tatsächlich mehr wussten oder im Zweifelsfalle häufiger geraten haben, kann die Studie allerdings nicht sagen.

Je näher der Ruhestand, desto größer das Finanzwissen

Vor allem die Unter-30-Jährigen können nicht richtig einschätzen, welche gesetzliche Rente sie später erwarten dürfen: 80,5 Prozent von ihnen konnten die Frage nicht beantworten. Mit steigendem Alter nimmt auch die Kompetenz in Finanzfragen zu. Dennoch kannten gerade mal 36,1 Prozent der 50- bis 59-Jährigen das erwartete Rentenniveau für 2030 – und das, obwohl sie davon selbst direkt betroffen sind.

Die Auftraggeber der Studie betonen, wie dramatisch die Unwissenheit und die Fehleinschätzungen in diese Richtung sind: Gerade junge Menschen könnten jetzt mit privater Altersvorsorge die Basis für einen finanziell stabilen Ruhestand schaffen – wenn sie sich nur mit der Materie befassen würden. Je älter die Anleger sind, desto weniger lohnen sich die Investitionen, da in den wenigen Jahren bis zum Ruhestand nur noch vergleichsweise wenig Kapital durch die Zinsen generiert wird.

Finanzwissen korreliert mit Beruf und Einkommen

Nur 16,2 Prozent der Berufslosen wissen, wie das Rentenniveau 2030 aussehen wird. Bei den Arbeitern sind es 22,3 Prozent und bei den Angestellten 29,4 Prozent. Am besten informiert sind die Rentner mit 46,6 Prozent; dicht gefolgt von den Selbstständigen und Freischaffenden mit 44,9 Prozent.

Mit den verschiedenen Berufen gehen in der Regel auch verschiedene Einkommensstufen einher, die sich ebenfalls auf die Finanzbildung auswirken: Von den Befragten mit einem Nettomonatseinkommen von 1.500 Euro für den gesamten Haushalt wussten gerade mal 19,5 Prozent, wie es in einigen Jahren um das Rentenniveau bestellt sein wird. Haushalte mit einem doppelt so hohen Einkommen (3.000 Euro) beantworteten auch die Rentenfrage fast doppelt so oft richtig – nämlich zu 38,2 Prozent.

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