Kategorie: Zahlen, Daten, Fakten

Deutsche Anleger suchen Sicherheit

Risikofreudigkeit galt wohl noch nie als typisch deutsche Eigenschaft. Das gilt insbesondere auch für die Geldanlage.
Geldbündel mit Kette und Schloß gesichert

 

Das Sicherheitsbedürfnis der deutschen Anleger ist hoch: Wie eine aktuelle Studie im Auftrag der Gothaer Versicherung zeigt, sind Sparbücher und Lebensversicherungen besonders beliebte Anlageformen. Für deutlich mehr Bundesbürger als noch im vergangenen Jahr ist die Sicherheit einer Geldanlage das entscheidende Kriterium. Die Höhe der Zinsen spielt hingegen oft nur eine untergeordnete Rolle.

Sicherheit statt Flexibilität gewünscht

Für die repräsentative Studie zum Anlageverhalten der Deutschen befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa 1.003 Bundesbürger. Nachdem sich bei der gleichen Befragung Anfang 2015 noch viele Teilnehmer vor allem Flexibilität bei ihrer Geldanlage gewünscht hatten, steht nun die Sicherheit an erster Stelle: 54 Prozent der Befragten gaben an, dass dieses Kriterium für sie entscheidend sei. 2015 war dies nur für 43 Prozent am wichtigsten. Mittlerweile legen nur noch 31 Prozent Wert auf eine flexible Geldanlage und sogar nur acht Prozent halten eine hohe Rendite für wichtig. Damit haben die Bundesbürger sich möglicherweise mit den anhaltend niedrigen Zinsen abgefunden und setzen ihre Prioritäten anders. Nur 19 Prozent der Befragten würden für eine höhere Rendite auch ein höheres Risiko bei der Geldanlage eingehen – 2015 war noch knapp ein Viertel dazu bereit.

Sparbuch und Lebensversicherung sind beliebt

Für 48 Prozent der Befragten ist das Sparbuch trotz sehr geringer Zinsen eine attraktive Option um Geld anzulegen. Die Lebensversicherung hat im Vergleich zum Vorjahr noch an Beliebtheit gewonnen: 34 Prozent der Bundesbürger entscheiden sich für diese Form der Absicherung, während 2015 nur 30 Prozent eine Kapitallebensversicherung besaßen. Auch Bausparverträge bieten Sicherheit und sind deshalb bei den Anlegern beliebt. Für Immobilien gab es ebenfalls einen Anstieg auf der Beliebtheitsskala: Mit 30 Prozent gaben schon fünf Prozent mehr als 2015 an, diese Anlageform zu nutzen. Christof Kessler von der Gothaer Asset Management AG erklärt: „Die Deutschen sind offensichtlich durch die anhaltende Krise verunsichert und streben nach Sicherheit. Dabei nehmen sie geringe Renditen oder inflationsbereinigt sogar negative Zinsen billigend in Kauf.“

Bei Fonds Sicherheit durch Streuung

Wer dann doch in Fonds und Aktien investiert, um eine höhere Rendite als bei Sparbuch oder Lebensversicherung zu erzielen, bemüht sich um eine breite Streuung, um sich gegen Verluste abzusichern. 28 Prozent der Bundesbürger sind der Meinung, dass mit diesen Anlageformen höhere Renditen möglich sind, rund 20 Prozent investieren auch tatsächlich in Fonds, 18 Prozent direkt in Aktien. Doch auch bei den risikoreicheren Anlagen zeigt sich das gestiegene Sicherheitsbedürfnis der deutschen Anleger: 16 Prozent der Befragten investieren in sechs oder mehr Fonds, im Vorjahr taten das nur neun Prozent. 40 Prozent derjenigen, die sich an eine Fondsanlage heranwagten, entschieden sich immerhin noch für zwei oder drei verschiedene Fonds. Offenbar haben also auch viele Kleinanleger erkannt, dass sich Kursschwankungen durch Streuung ausgleichen lassen und erhöhen so die Sicherheit ihrer Geldanlage, ohne größere Einbußen bei der Rendite hinnehmen zu müssen.

Deutsche haben Angst vor Inflation und Unsicherheit

Seit mehreren Jahren nimmt die Angst der Bundesbürger vor einer Inflation kontinuierlich zu, aktuell befürchten 63 Prozent der Befragten eine Geldentwertung – gegenüber 55 Prozent im Vorjahr ein deutlicher Anstieg. 52 Prozent machen sich Sorgen um einen sinkenden Lebensstandard und 59 Prozent empfinden Maßnahmen zur Vorsorge fürs Alter durch die niedrigen Zinsen als schwierig. 32 Prozent glauben, dass die Widrigkeiten dabei sogar noch zugenommen haben. Die Anlage von Geld auf einem Sparbuch oder auch in einer Lebensversicherung ist als einzige private Vorsorge aufgrund der geringen Renditen allerdings ungeeignet. 39 Prozent der Befragten werden noch von einer weiteren Angst umgetrieben: Sie befürchten ein Auseinanderbrechen der Eurozone. Mit 46 Prozent ist fast die Hälfte der Bundesbürger der Ansicht, dass die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht geeignet ist, um die Probleme im Euroraum zu lösen.

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