Kategorie: Zahlen, Daten, Fakten

Das Comeback des Sparschweins

Sparen lag den Bundesbürgern schon immer im Blut, nicht umsonst gelten die Deutschen als klassische Sparernation. Mann mit Hosenträgern und Fliege küsst ein gelbes Sparschwein - CreditPlus Kredit Magazin

 

Neu ist allerdings, dass sie wieder verstärkt Bargeld zu Hause horten, anstatt ihre Ersparnisse zur Bank zu bringen. Viele von ihnen sogar ganz klassisch im Sparschwein – besonders sicher ist das nicht, und ertragreich noch weniger.

1.800 Euro Bargeld bunkert jeder Deutsche zu Hause

Angesichts dieser Zahl verwundert es kaum, dass Wohnungseinbrüche in Deutschland im vergangenen Jahr Hochkonjunktur hatten: 1.800 Euro Bargeld bewahrt rein statistisch gesehen jeder Bundesbürger zu Hause auf. Dies zeigt eine Auswertung von Daten der Bundesbank durch den Finanzdienstleister Barkow Consulting, über die die „Welt“ berichtet. Während in der Politik eine mögliche Abschaffung des Bargelds in jüngster Vergangenheit häufiger thematisiert wurde, scheint der Trend in der Bevölkerung eher in die entgegensetzte Richtung zu gehen. Der Bestand an Bargeld, den die Deutschen zu Hause aufbewahren, hat sich in den letzten drei Jahren um 40 Prozent erhöht. 2013 waren es insgesamt gut 103 Milliarden Euro Bargeld, die in Sparschweinen, Tresoren, Sockenschubladen und anderen Geldverstecken in deutschen Haushalten schlummerten, umgerechnet entspricht das 1.300 Euro pro Einwohner. Inzwischen ist die Summe auf knapp 144 Milliarden Euro angewachsen.

Furcht vor negativen Zinsen als möglicher Beweggrund

Die Höhe des Bargeldbestands überrascht selbst Finanzexperten wie den Geschäftsführer von Barkow Consulting, Peter Barkow. Über die Ursachen für den Trend zum heimischen Bargeldhorten kann bislang nur gemutmaßt werden. „Ob der Bargeldanstieg der letzten Quartale bei Privatpersonen mit der Furcht vor negativen Zinsen zu tun hat, ist aktuell noch unklar“, so Barkow. Unwahrscheinlich ist ein Zusammenhang allerdings nicht. Die Banken haben die Strafzinsen, die sie an die Europäische Zentralbank (EZB) zahlen müssen, wenn sie dort nicht benötigtes Geld einlagern, zwar bislang nur an Geschäftskunden weitergegeben. Dennoch liegt die Vermutung nahe, dass viele Sparer fürchten, es könne bei weiter anhaltenden Niedrigzinsen auch ihre Einlagen treffen. Dabei würde das Geld auf einem Tagesgeldkonto sogar noch ein wenig Rendite abwerfen. Auch wenn die Zinsen aktuell niedrig sind – angesichts der noch niedrigeren Inflation rechnet sich die Anlage trotzdem.

Hinzu kommt, dass viele Geldhäuser neue oder höhere Gebühren für die Kontoführung eingeführt haben, um ihre sinkenden Einnahmen aufgrund der niedrigen Zinsen auszugleichen. Dies könnte einige Sparer dazu bewegt haben, ihr Geld lieber im heimischen Sparschwein aufzubewahren, wo es jederzeit griffbereit ist. Die unmittelbare Verfügbarkeit des Geldes ist einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag der Bank of Scotland zufolge der zweitwichtigste Grund, warum die Deutschen Geld lieber zu Hause als auf dem Konto aufbewahren.

Starker psychologischer Effekt des Bargeldvorrats in den eigenen vier Wänden

Noch wichtiger ist allerdings der psychologische Effekt, den ein Vorrat an Bargeld in den eigenen vier Wänden offenbar hat. 44 Prozent der Befragten der GfK-Untersuchung „Sparerkompass 2016“ gaben an, dass ihnen ein gewisser Bargeldbestand zu Hause ein Gefühl von Sicherheit vermitteln würde. Dieses Sicherheitsgefühl scheint eher diffuser Art zu sein. Dass ihr Geld auf dem Konto wegen potenzieller Bankenkrisen nicht sicher aufgehoben ist, glauben nämlich die wenigsten.

Wirklich nicht sonderlich sicher ist hingegen die bevorzugte Aufbewahrung der Bundesbürger für ihr Bargeld. Tatsächlich gibt es in 57 Prozent der Haushalte ein traditionelles Sparschwein oder eine Spardose. Und die werden nicht nur von Kindern gefüttert – auch in jedem zweiten kinderlosen Haushalt wird dem „Sparerkompass 2016“ zufolge regelmäßig ein Sparschwein befüllt. Dabei wäre die Aufbewahrung in einem Tresor angesichts eines neuen Rekordhochs an Wohnungseinbrüchen im vergangenen Jahr eine deutlich bessere Wahl. Die possierlichen Bargeldtiere sind für Einbrecher nämlich im Normalfall eine sehr leichte Beute. 

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