Kategorie: Zahlen, Daten, Fakten

Betriebliche Altersvorsorge: Viele überzeugt

Viele Deutsche verlassen sich nicht mehr nur auf die gesetzliche Rentenversicherung, sondern treffen weitere Vorsorgemaßnahmen. Eine davon ist die betriebliche Altersvorsorge. Zwei Rentner-Modellfiguren auf einer Bank die auf Geldscheinen steht

 

In vielen Betrieben wird die betriebliche Altersvorsorge bereits angeboten, doch es herrscht auch Unsicherheit in einigen Aspekten. Die Betriebsrente ist dennoch allgemein beliebt, wie eine Untersuchung jetzt zeigt.

Altersversorgung wichtiger als höheres Gehalt

Grundsätzlich steht jedem Arbeitnehmer in Deutschland eine betriebliche Altersversorgung (bAV) durch Entgeltumwandlung zu. Bietet der Arbeitgeber selbst keine Betriebsrente an, ist er verpflichtet, den Arbeitnehmern mindestens einen anderweitigen Anbieter von Betriebsrenten zu vermitteln – unabhängig von der Einkommensklasse. Vielen Arbeitnehmern ist dieser Anspruch jedoch überhaupt nicht bekannt, wie eine repräsentative Studie des Beratungsunternehmens Aon Hewitt ergeben hat.

Die Befragung fand unter Arbeitgebern und Arbeitnehmern in Unternehmen unterschiedlicher Größe statt. Sie hat ergeben: Die Betriebsrente als Sozialleistung ist sowohl bei Arbeitnehmern, als auch bei Arbeitgebern beliebt. Von der Gruppe der Befragten befürworteten nur 19,1 Prozent der Arbeitnehmer und 3,8 Prozent der Arbeitgeber ein höheres Gehalt anstelle einer betrieblichen Altersversorgung. Mehr als die Hälfte der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sprach sich hingegen für eine Betriebsrente aus.

Fehlende Information schreckt ab

Die Studie kommt auch zu dem Ergebnis, dass in der betrieblichen Altersversorgung noch unentdeckte Potenziale schlummern. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG), das seit 2018 in Kraft getreten ist, war nur wenigen Studienteilnehmern ein Begriff. Einen Vorteil haben die Mitarbeiter in Banken und Versicherungen – sie sind berufsbedingt besser über die aktuelle Gesetzeslage hinsichtlich der Betriebsrente informiert.

Arbeitnehmer kleinerer Unternehmen sind laut Umfrage außerdem häufig nur unzureichend über die Möglichkeiten einer Betriebsrente informiert. Etwa die Hälfte der Arbeitnehmer in Betrieben bis 250 Mitarbeiter weisen Wissenslücken hinsichtlich ihrer Rentenansprüche auf. Rund ein Drittel der Arbeitgeber ist sich seiner Verpflichtung zum Angebot einer betrieblichen Altersversorgung nicht bewusst.

Dennoch sind Bestrebungen in Richtung Betriebsrente ersichtlich. Lediglich Kleinstbetriebe mit bis zu zehn Mitarbeitern verfügen über einen Anteil von insgesamt knapp einem Viertel Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die lieber mehr Gehalt zahlen oder erhalten wollen, als einen Teil des Gehalts in die Betriebsrente zu investieren. Die „Totalverweigerer“ sind allerdings die Ausnahme in der deutschen Unternehmenslandschaft. Ab einer Unternehmensgröße von 51 Mitarbeitern fällt dieser Anteil schon nicht mehr nennenswert ins Gewicht (4,3 Prozent).

Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind sich demnach einig: Die Investition in eine betriebliche Altersversorgung lohnt sich. „Allerdings behindern die Informationsdefizite die Entwicklung“, so Fred Marchlewski, Geschäftsführer von Aon Hewitt. Vor allem in Kleinbetrieben sieht er Nachholbedarf.

Betriebsrente: Wie funktioniert sie?

Für Arbeitnehmer ist eine betriebliche Altersversorgung vor allem dann attraktiv, wenn der Arbeitgeber diese bezuschusst. Lange gab es fünf Wege für eine bAV: Direktzusage des Arbeitgebers, Pensionskasse, Pensionsfonds, Unterstützungskasse und Direktversicherung. Mit der Betriebsrentenreform ist eine weitere Möglichkeit eingeführt worden: Das Sozialpartnermodell. Neu daran ist, dass Arbeitnehmer keine Garantie mehr dafür erhalten, wie hoch die Rente am Ende ausfällt. Es wird lediglich eine Zielrente vereinbart, aber nicht fest zugesichert. Dadurch soll das Angebot einer Betriebsrente für kleine Unternehmen attraktiver werden. Denn bislang hat die Garantie viele Arbeitgeber abgeschreckt.

Auch für eine Betriebsrente unter Geringverdienern soll durch die Einführung des BRSG ein weiterer Anreiz geschaffen werden. Arbeitgeber, die die Sparbemühungen ihrer geringfügig Beschäftigten mit mindestens 240 Euro jährlich unterstützen, erhalten hierfür Steuervorteile von 30 Prozent.

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