Kategorie: Ratgeberthemen

0%-Finanzierung: Ist sie wirklich günstig?

Ob Autos, Elektronik oder Möbel: Viele Händler bieten Null-Prozent-Finanzierungen an. Doch was attraktiv klingt, ist eine Werbemaßnahme gekoppelt mit einem Ratenkredit-Vertrag. Das kann teuer werden. Null Prozent gescribbelt auf rotem Hintergrund

 

Kredite für das Bezahlen von Konsumgütern sind normal. Viele Produkte sind so teuer, dass sie oft nicht bar vom Kunden bezahlt werden können. Klassische Beispiele sind Autos, Küchen oder Wohneinrichtungen. Inzwischen geht der Trend sogar dahin, auch kleinere und günstigere Anschaffungen zu finanzieren. Nicht ganz schuldlos daran sind sogenannte „Null-Prozent-Finanzierungen“. Sie erwecken den Eindruck, dass hier ein Produkt besonders leicht zu günstigen Konditionen erworben werden kann. Das kann so sein, muss aber nicht.

Null-Prozent-Finanzierung hat durchaus Vorteile

In erster Linie sind derartige Angebote eine Werbemaßnahme, mit der der Händler mehr Kunden erreichen und seinem Umsatz steigern will. Im Hintergrund steht die Kooperation mit einem Kreditinstitut für eine bestimmte Form des Ratenkredits: Feste Laufzeiten und Ratenhöhen, aber keine Zinsbelastung für den Käufer. Dieser profitiert grundsätzlich von der Möglichkeit, Anschaffungen ohne Zusatzkosten zu tätigen, selbst wenn kein Eigenkapital vorhanden ist. Es muss auch nichts angespart oder eine finanzielle Rücklage angegriffen werden. Seit dem 21.März 2016 gibt es sogar ein gesetzliches Widerrufsrecht innerhalb von 14 Tagen.

Wie so oft steckt aber der Teufel im Detail. Schon im Vorfeld sollte überlegt werden, ob der Kredit abbezahlt werden kann, ohne den Dispokredit des Girokontos zu beanspruchen. Andernfalls entstehen hohe Überziehungszinsen, welche den Vorteil der Null-Prozent-Finanzierung aushebeln. Wenn die Raten nicht bezahlt werden, kann die Bank auch den Kredit kündigen, sofortige Zahlung verlangen und unter Umständen Verzugszinsen und -kosten geltend machen. 

Oft gibt es versteckte Kosten und ungünstige Zusatzvereinbarungen

Unvorteilhaft können solche Verträge ebenso aus anderen Gründen werden, die sich manchmal in den Vertragsklauseln verstecken. So sind einige mit Zusatzkosten aus einer Restschuldversicherung verbunden, die Teil der Vereinbarung ist. Die Prämien für diese Versicherung werden in die Kreditsumme eingerechnet – so ist der tatsächliche Effektivzins höher als gewollt. Andere Anbieter verbinden den Vertrag mit einem zusätzlichen Kreditrahmen, beispielsweise in Form einer Kreditkarte. Für diesen Teil gelten die Null-Prozent natürlich nicht. Bei Inanspruchnahme können Zinsen in namhafter Höhe anfallen.

Weiterhin sind indirekte, potenzielle Nachteile der Null-Prozent-Finanzierung zu überlegen. Wer bar bezahlt, kann häufig dafür Rabatte aushandeln. Diese Möglichkeit fällt hier naturgemäß weg, selbst wenn eine vorzeitige Rückzahlung des Kredits möglich ist. Sie sollten auch nicht davon ausgehen, dass die Null-Prozent-Finanzierung ein Hinweis auf einen insgesamt günstigen Preis ist. Ein Produktvergleich mit anderen Händlern zeigt oft einen höheren Preis. 

Wichtig ist genaue Prüfung der Vertragsbedingungen

Insgesamt gesehen ist eine Null-Prozent-Finanzierung nichts grundsätzlich Schlechtes. Es sollte nur sehr genau überlegt werden, diesen Weg zu gehen. Manchmal bringt ein einfacher Preisvergleich schon ein günstigeres Ergebnis ohne diesen Kredit. Und wenn er nötig ist: Die Raten sollten sicher ohne Dispo bezahlt werden können. Unbedingt zu empfehlen ist die detaillierte Prüfung der Vertragsbedingungen vor der Unterschrift auf versteckte Verpflichtungen und Kosten.

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